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Mai Special Nachhaltigkeit: Bereit für Circular Economy?

Potenziale hinsichtlich Circular Economy wurden konkret an eigenen Produkten untersucht: Der Workshop mit Leon Jäger zur Rezyklierbarkeit brachte mehr Klarheit. Foto: NIRO e. V.

Im Mai Special zum Thema Nachhaltigkeit geht es um Circular Economy und einen Workshop, zu dem sich am 26. April 2024 Verantwortliche aus fünf NIRO-Mitgliedsunternehmen trafen, um ihre Produkte auf Rezyklierbarkeit zu prüfen. Eine vorgestellte Methode zur Bewertung der Rezyklierbarkeit wurde direkt angewendet.

Circular Economy ist in Sachen Nachhaltigkeit ein nahezu inflationär verwendeter Begriff und es lohnt sich, genauer hinzuschauen. Produktverantwortliche müssen für den Einfluss von Design und Produktion auf die Rezyklierfähigkeit sensibilisiert sein, um im Universum der Circular Economy aktiv zu werden.
Der Workshop gab unter anderem Einblicke in die Nachnutzungsphase von Produkten und intensivierte das Verständnis für die Anforderungen an ein hochwertiges Recycling. Mögliche Stellschrauben zur Verbesserung der Rezyklierfähigkeit von Produkten wurden auch thematisiert.
Verantwortliche der NIRO-Mitgliedsunternehmen ERCO GmbH, OBO Bettermann Produktion Deutschland GmbH & Co. KG, Paul Vahle GmbH & Co. KG, SIBA GmbH und WILO SE nahmen teil und brachten einige ihrer Produkte mit, um sie in Sachen Rezyklierbarkeit auf den Prüfstand zu stellen. Welche (An-)Teile sind wiederverwendbar oder wiederverwertbar? In welchem Maß spielen sie im Wertstoffkreislauf eine Rolle?

Leon Jäger von der Rodiek & Co. GmbH, die sich als Tochterunternehmen der Nehlsen-Gruppe aus Bremen auf die Entwicklung und Durchführung von innovativen Lösungen in den Bereichen Recycling, Entsorgung, Industrieservice und Logistik spezialisiert hat und Projekte für eine nachhaltige Ressourcenwirtschaft realisiert, leitete den Workshop. Als erfahrener Umweltingenieur und Project Manager International bei Rodiek gab er der Gruppe wichtige theoretische Inputs, Definitionen und Informationen zum Thema Circular Economy und schuf eine gemeinsame Diskussionsgrundlage.

Das regulatorische Umfeld für ressourcenbewusstes Wirtschaften setzt gezielt Maßstäbe und gibt entsprechende Gesetze vor. Der Green Deal der Europäischen Union zielt auf den Übergang zu einer modernen, ressourcenschonenden und wettbewerbsfähigen Wirtschaft. Verschärfte Klimaziele und das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz stellen Unternehmen vor neue Herausforderungen und der EU-Aktionsplan zur Circular Economy fokussiert sich mit miteinander verknüpften Initiativen auf den gesamten Lebenszyklus von Produkten, um nachhaltige Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle zu normieren.
Diese regulatorischen Zusammenhänge erläuterte Leon Jäger und ging im nächsten Schritt näher auf die Unterschiede einiger Begriffe ein. So bezieht sich Kreislaufwirtschaft in Deutschland ausschließlich auf das Abfallmanagement. Circular Economy hingegen bedeutet, dass das Stoffstromwissen bereits im Produktdesign verankert wird, um die Rezyklierbarkeit des Produktes zu erhöhen. „Cradle to Cradle“ als Prinzip bezeichnet ein Produktdesign mit definierten Materialien ohne Schad- oder Störstoffe, das in definierten, geschlossenen Stoffströmen ein hochwertiges Recycling ermöglicht.
Anschließend stellte Leon Jäger eine Methode vor, die als Grundlage zur Abschätzung der Rezyklierfähigkeit von Produkten auf einer Bewertungsmatrix basiert. Dieses Analysetool bezieht sich auf einzelne Prozessschritte und kam direkt zum Einsatz: Die Produktverantwortlichen arbeiteten für ihre mitgebrachten Produkte heraus, was sie konkret zu den einzelnen Prozessschritten wie Rückbau oder Demontage, Verwertung oder Nachnutzung feststellen können und stellten ihre Ergebnisse der Gruppe vor.
Erste Hebel zur Verbesserung der Rezyklierbarkeit wurden diskutiert. Grundlegend sind die Materialauswahl und die Prüfung, ob aktuell eingesetzte Werkstoffe sinnvoll durch andere ersetzt werden können, die besser wiederverwertet werden können oder weniger Schad- oder Störstoffe enthalten. Mögliche Rücknahmesysteme sind im Vorfeld zu überlegen. Eventuell besitzen Produkte das Potenzial, als „Service“ zu funktionieren; ihre Langlebigkeit könnte durch entsprechende Wartungsdienste gesichert werden. Ökodesign-Prinzipien können angewendet werden. Die Reduktion von Verpackungsmaterial sollte geprüft werden. Die Bandbreite der Stellschrauben ist groß und für jedes Produkt unterschiedlich.
In der Abschlussrunde gab die Gruppe sehr positives Feedback und wünschte sich zu diesem wichtigen Thema weitere Tipps und Empfehlungen.

NIRO dankt an dieser Stelle Leon Jäger, der lebendig und abwechslungsreich den Workshop leitete und für alle lehrreiche Momente bereithielt.